Pleiten, Pech und Pannen...

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    • Naja, mal abgesehen davon, dass dort auch mehrere Millionen Polen lebten, die dann im Anschluss an den 2. Weltkrieg ebenso vertrieben worden sind, wurden die Weißrussen und Ukrainer auch nie gefragt, wo sie hingehören wollten.

      Kleines Detail am Rande: So gibt es zum Beispiel auf beiden Seiten des Bug Orthodoxe, für die das aufgrund der jetzigen EU-Außengrenze ein echtes Problem ist, da sie ihre Hauptkirchen jetzt nur schwer und bürokratisch umständlich erreichen. Was sagt uns das wieder einmal: Grenzen sind willkürlich. Zumal sind sie geronnene Macht und wurden in den wenigsten Fällen "friedlich" verändert.
      Zudem haben sich Ethnien schon immer vermischt, assimiliert, sind gewandert, haben nebeneinander und miteinander existiert. Das war bis zum Zeitalter des Nationalismus kein Problem. So konnte z.B. das ursprünglich slawische Geschlecht der Greifen ohne Probleme Herzöge in Pommern sein, ohne dass sich irgendjemand groß Gedanken drüber gemacht hätte. Die Rolle von Slawen bei der "deutschen Ostsiedlung" sollte man auch nicht unter den Tisch kehren. Das was sich östlich von Saale und Elbe "deutsch" nennt und nannte ist ne ziemliche Mischpoke. Nur fehlt den meisten das Bewusstsein dafür. Und schon aufgrund dessen ist jede identitäre Vereinnahmung im Sinne einer "Nation" in Mittel- und Osteuropa Blödsinn, der Europa in zwei mörderische Weltkriege und mehrere Wellen von Vertreibungen gebracht. Und jetzt haben wir endlich die supertollen homogenen Nationalstaaten und diejenigen Nationalisten, die meinen den Kürzeren gezogen zu haben, sind immer noch nicht zufrieden.
    • Original von Francis Taubenschlag
      Original von Freiherr von Stern
      Außerdem fordere ich ein Großitalien bis zum Rätischen Limes.


      Da bin ich dabei. Essen gut, alles gut. Außerdem bin ich selbst faul und autoritätsscheu wie ein Italiener. ;)

      Hm...wenn ich mir überlege, dass zu der Zeit die Hermunduren in der Lausitz siedelten, die Tacitus zu den Sueben zählte...ich bin dagegen, dass meine Heimat schwäbisch wird. Spätzle Go Home! ;-)
    • Original von Lady Enigma
      Original von Tony Gold
      Sprachen sind im ständigen Fluss. Was im 18. Jhdt in D gesprochen wurde würdest du kaum noch verstehen, gehen wir ins 15. Jhdt zurück würdest du's gar nicht mehr verstehen. Und wenn wir in hundert Jahren alle türkisch oder - gegenwärtig wahrscheinlicher - englisch sprechen : Who cares?

      Mein ältestes Buch ist von1743. Ich hab damit keine Probleme....


      Ach Mist, das einzig ältere Deutsch was ich grad gefunden hab wär der Anfang vom Nibelungenlied, nur is das doch noch n bisschen viel älter:

      Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
      von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
      von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
      von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.

      Ez wuohs in Burgonden ein vil edel magedîn,
      daz in allen landen niht schœners mohte sîn,
      Kriemhilt geheizen: si wart ein scœne wîp.
      dar umbe muosen degene vil verliesen den lîp.


      Vieeeel Spaß beim Lesen.
      I am a mad man
      with a box
      without a box.

    • Original von Tony Gold


      Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
      von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
      von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
      von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.

      Ez wuohs in Burgonden ein vil edel magedîn,
      daz in allen landen niht schœners mohte sîn,
      Kriemhilt geheizen: si wart ein scœne wîp.
      dar umbe muosen degene vil verliesen den lîp.


      Vieeeel Spaß beim Lesen.


      Also ich habe keine Probleme dabei das zu Lesen.
      Ich bin Legastheniker und bitte um Verständnis.

      Ministerpräsident des Freistaates Freistein.

      Bekennender:
      Exentriker
    • Probiers mal mit den ersten Zeilen des Hildebransliedes:

      Ik g1horta dat eggen
      dat ih urhettun ænon muot1n •
      h1lt1brant ent1 hadubrant untar her1un tuem •
      unu fatarungo • 1ro aro r1htun •
      garutun e 1ro gudhamun • gurtun ih • 1ro • uert ana •
      hel1do ubar r1nga do ie to dero h1ltu r1tun •
      h1lt1brant g1mahalta her1brante unu • her uua heroro man
      ferahe frotoro • her fragen g1tuont
      fohem uuortum • ¿er in fater ¿ar1
      f1reo 1n folche … •
      RA Prof. Prof. Pjotr Jerkov
      Fachanwalt für Strafrecht
    • Nationalismus ist, so muss man festhalten, ein Kunstgebilde. Deutschsein, Polnischsein, Englischsein, Kanadischsein, ist die Schaffung in der Regel von oben. Nur wenige Charakteristika dessen sind von unten, also von der Bevölkerung, wirklich Zeichen dessen, dass sich eine Nation gefunden hat. Klar sind Sprache und Tradition ein Indiz, aber Traditionen unterscheiden sich ja schon teilweise stark in angrenzenden Landstrichen.

      So und ansonsten, also ich finde man kann und darf Leuten nicht ihre Meinung verbieten, weil das A zu nichts führt und B das Kernproblem nicht behebt.

      Wenn man sagt, "ich finde Pommern und Preußen sind Gebiete, die zu unrecht nicht mehr zu Deutschland gehören", ist das für sich erstmal eine legitime Meinung die man haben kann. Dass diese Meinung nun aber durchaus vor dem historischen Kontext mit der dazu gehörenden Verantwortung der Deutschen Bevölkerung schnell problematisch werden kann, ist aber wiederum etwas, was man für den Diskurs sehr ernst nehmen muss.

      Seit dem Wilhelminischen Kaiserreich war es immer wieder das Bestreben Deutscher Außenpolitik einen "Lebensraum" im Osten zu schaffen. Aber diese Streben muss man natürlich auch mit den Bestrebungen anderer Staaten vergleichen, den Österreichern in den Balkan, den Russen nach Sibirien und dann auch später gen Westen. England teilweise in Afrika und Südasien, oder aber auch den USA in ihren Mittleren Westen. All dies sind nicht ruhmreiche Zeugen der Geschichte des Menschen. Jeder fürs ich ist eine Schande, aber im großen und ganzen ist keines dieser Geschehnisse eine Sternstunde. Es sind alles Ereignisse auf Kosten von anderen Menschen, Stämmen und Völkern und teilweise auch anderen Nationen und Staaten.

      Ein Unrecht macht das andere Unrecht daher nicht besser. So muss man dann einsehen, dass auf Grund der Tatsache, dass damals die Preußen und "Ur-Deutschen" auf einem fragwürdigen Weg die Gebiete erhalten haben, aber Mitteleuropa ist generell ein kompliziertes Flickenwerk. Migration hin und her hat dafür gesorgt, dass kein Volk A homogen ist und B schon erst recht nicht arisch. Nur mit dem Aufstreben des Nationalismus wurde ein Kunstgebilde geschaffen und so kann man natürlich verstehen, dass der Eindruck entsteht, dass Preußen und Pommern und auch Teile Schlesiens zB Deutsch waren und als Folge des 2. Weltkrieges gegen den Willen der Bevölkerung nicht mehr Deutsch sind.

      Ich denke für die Stabilität in Europa ist es wichtig, dass nun jeder Staat in Europa im großen und ganzen homogen ist. Man sieht es ja schon an Belgien wie es da schnell problematisch wird, wenn ein Volk nicht ganz gleich ist und durch unterschiedliche Sprachen getrennt wird. So denke ich, ist es auf langer Sicht richtig und wichtig, dass der Großteil der deutsch-stämmigen Bevölkerung nun auch in Deutschland lebt, auch wenn sie Unrecht erfahren haben und vertrieben worden. Dieses Geschehen muss man aber Aufwiegen mit den Vertreibungen während des Krieges. Die wenigsten können weder für das eine noch für das andere etwas, aber so ist es nun mal passiert.

      So stelle ich am Ende fest, dass es durchaus halt legitim ist diesen Gedanken zu hegen, denn jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit, aber jeder hat auch das Recht darauf argumentativ eines besseren belehrt zu werden. Aber Todschlagargumente wie "Nazi!" oder "Linkes Pack" sind dabei fehl am Platz. Sie tragen zu keiner Lösung bei und zielen am Thema vorbei. Diese Tabuisierung von Themen ist eine Selbstverstümmelung der Gesellschaft die ich auf langer Sicht viel gefährlicher finde, als alles andere.

      Abgesehen davon möchte ich noch anmerken, dass ich es lächerlich finde, dass Deutschland, so weit ich weiß, dass einzige Land auf der Erde ist, dass seine eigene Nationalhymne zwar nicht gesetzlich zensiert, aber doch ideologisch teilweise beschniedet und tabuisiert. Deutschland hat sich teilweise noch immer selber nicht vergeben und läuft mit einer Sperre im Kopf rum. Generell tendieren wir oftmals dazu von einem extrem ins andere zu laufen, etwas was ich auch für sehr gefährlich halte. Eine Sache die eben noch Pflicht war, wird im nächsten Moment verboten. Dieses Schwarz-weiß denken ist schlecht für die Entwicklung von Deutschland, aber auch für alle Menschen, denn dies passiert auch sicherlich anderswo, aber besonders eindrucksvoll, zumindest in meinen Augen, hier.

      Sich selber zu vergeben soll dabei nicht heißen, zu vergessen und zu verdrängen, aber sondern zu akzeptieren, dass dies passiert ist und daraus zu lernen und damit offen umgehen und die gewonnenen Kenntnisse so einzusetzen, dass man die Fehler der Vergangenheit vermeidet, aber dies kann nur im offenen Diskurs passieren.

      Achja und zur Vertriebenensache. In irgendeinem meiner Unitexte tauchte mal die Geschichte auf, dass eine Familie in Palästina irgendwo in einer Siedlung wohnte. Als man sie fragte, wieso, sagte diese, dass sie aus ihrer Wohnung irgendwo vertrieben worden. Der Autor suchte das Haus auf und sprach dann mit der Familie die in diesem Haus nun wohnte und die erklärten ihm, dass sie nun hier wohnen, weil sie aus Deutschland während des letzten Weltkrieges vertrieben worden. So reiste er nach Deutschland und fand das Haus und sprach mit der Familie die dieses Haus bewohnte. Diese erklärten ihm, dass sie kurz nach Ende des Weltkrieges aus Schlesen (oder eine andere Westpolnische Region) vertrieben worden. Erneut zog der Autor weiter und traf dann auf die Familie in diesem Haus und auch dort wurde ihm berichtet, dass sie vertrieben worden und zwar aus der Westukraine.

      Ich weiß jetzt nicht mehr genau, ob da nun auch noch mal Vertreibung der Fall war, ganz dunkel meine ich mich zu erinnern, dass hier noch etwas mit Wolgadeutschen der Fall war, aber im großen und ganzen wird einem denke ich klar, dass Vertreibung kein Einzelfall der Deutschen ist, sondern viele Male passiert ist. Nur wird nicht immer überall mit ein und dem selben Maßstab dies bewertet. Aber ein universaler Maßstab ist auch schwer. Ich denke, für so was braucht es noch viele Jahrzehnte, Jahrhunderte und womöglich auch noch einige Jahrtausende, wenn wir denn nicht 2012 sterben, sei es wegen der Sonne oder aber auch einem Meteoriten, der auf die Erde angeblich zubraust ;)
      Jan-Claudius von Blomkohl Cullen
      Unionspräsident a.D.
    • Original von Hans Sack
      Ich beschreibe Preußen nur als "Ur-Deutsch, da es sich um ein Deutschsprachiges Volk handelt.


      Quatsch, die Pruzzen haben eine der baltischen Sprachfamilie zuzuordnende Sprache gesprochen. Mal davon abgesehen, wo ist die Mempel? Verläuft bei Hempels Sofa?
      Prof. Hajo Poppinga, VK.
      Unionspräsident a.D.
    • Original von Hajo Poppinga
      Original von Hans Sack
      Ich beschreibe Preußen nur als "Ur-Deutsch, da es sich um ein Deutschsprachiges Volk handelt.


      Quatsch, die Pruzzen haben eine der baltischen Sprachfamilie zuzuordnende Sprache gesprochen. Mal davon abgesehen, wo ist die Mempel? Verläuft bei Hempels Sofa?


      Ja Memel, ja ich habe mich mal verschrieben und ?


      Und ich Spreche hier nicht von den Pruzzen, sondern von den Komponenten des Tatsächlichen Preußischen Staates.
      Ich bin Legastheniker und bitte um Verständnis.

      Ministerpräsident des Freistaates Freistein.

      Bekennender:
      Exentriker
    • Original von Hajo Poppinga
      Original von Hans Sack
      Und ich Spreche hier nicht von den Pruzzen, sondern von den Komponenten des Tatsächlichen Preußischen Staates.


      Das waren aber dann auch Polen, Kaschuben, Friesen, Sorben, Dänen usw.


      Plus ein paar irre Kreuzritter aus allen Teilen des deutschsprachigen Raums.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Daniel ()

    • Original von Freiherr von Stern
      Naja, mal abgesehen davon, dass dort auch mehrere Millionen Polen lebten, die dann im Anschluss an den 2. Weltkrieg ebenso vertrieben worden sind, wurden die Weißrussen und Ukrainer auch nie gefragt, wo sie hingehören wollten.


      Der große Unterschied ist: In Deutschland haben wir das Bundesrückerstattungsgesetz. Unsere "Freunde" in Osteuropa haben die Benesch-Dekrete.
      Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit.
    • Nun kommt es hier wohl darauf an in welchem Zeitrahmen man das definiert. Beispielsweise Pommern wurde im 8 Jahrhundert großteils Deutsch besiedelt. Ich sehe diesen Rahmen als Ur-Deutsch an. Wenn wir jetzt zum Thema Ur-Deutsch allerdings von den Alten Germanen ausgehen ist das wider etzwas anderes.
      Ich bin Legastheniker und bitte um Verständnis.

      Ministerpräsident des Freistaates Freistein.

      Bekennender:
      Exentriker