Kathedrale von St. Luca

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    • Zieht, unter den Klängen der Orgel und in Begleitung mehrerer Messdiener in die Kathedrale ein, wo sich viele Gläubige zum Gottesdienst versammelt haben.
      Liebe Gemeinde,
      nach langer Zeit der Vakanz hat der Heilige Vater in Valsano beschlossen, im Erzbistum St. Luca einen neuen Erzbischof und in der Demokratischen Union einen neuen Metropoliten einzusetzen. Seine Wahl viel auf mich und ich habe die Berufung dankbar und in Demut angenommen. Gott und den Menschen zu dienen, ist das Motto, welches ich mir zu Beginn meines Amtes gesetzt habe.

      Es spielt das Orchester und es singt der Chor

      Wir lesen bei Jesaja:
      "So spricht der Herr, der im Meer einen Weg und in starken Wassern Bahn macht, der ausziehen lässt Wagen und Rosse, Heer und Macht, dass sie auf einem Haufen daliegen und nicht aufstehen, dass sie verlöschen, wie ein Docht verlischt: Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde. Das Wild des Feldes preist mich, die Schakale und Strauße; denn ich will in der Wüste Wasser und in der Einöde Ströme geben, zu tränken mein Volk, meine Auserwählten; das Volk, das ich mir bereitet habe, soll meinen Ruhm verkündigen."

      Liebe Gemeinde,
      "Erkennt ihr's denn nicht?" Gott spricht zu seinem auserwähltem Volk, das, fern der Heimat, im Exil schmachtet. Offensichtlich liegt Gott viel daran, dass die Angesprochenen merken, dass er einen neuen Anfang macht. Er fordert heraus, genau hinzusehen und das Neue zu bemerken. Sicher sind die Leute damals im Exil der Meinung gewesen, dass sie bestimmt merken würden, wenn sich die politische Großwetterlage geändert hätte. Aber so selbstverständlich war es wohl nicht, denn Gott muss sie richtig auf das Neue stoßen. Ich spüre Gottes Enttäuschung, dass die Leute es nicht von selbst gemerkt haben, wohl auch gar nicht richtig erwartet haben, sich abfanden mit ihrer Situation und Gott nichts mehr zutrauten.
      "Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde." Diese Ansage Gottes hat Jesus Christus aufgenommen, der von sich sagt: "Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nie mehr dürsten.“ Und: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."
      Mit dem heutigen Tag soll in der Demokratischen Union ein Neuanfang getan werden: die Heilige Katholische Kirche, von Petrus als Fels in der Brandung gegründet, soll wieder zum Hort gelebten und lebendigen Glaubens werden. Zum Ruhme Gottes und zum Seelenheil der Menschen.

      Es singt der Chor und es spielt das Orchester

      Liebe Gemeinde, wir sprechen un das Glaubensbekenntnis:

      Wir glauben an den einen Gott,
      den Vater, den Allmächtigen,
      der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
      die sichtbare und die unsichtbare Welt.
      Und an den einen Herrn Jesus Christus,
      Gottes eingeborenen Sohn,
      aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
      Gott von Gott, Licht vom Licht,
      wahrer Gott vom wahren Gott,
      gezeugt, nicht geschaffen,
      eines Wesens mit dem Vater;
      durch ihn ist alles geschaffen.
      Für uns Menschen und zu unserem Heil
      ist er vom Himmel gekommen,
      hat Fleisch angenommen
      durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria
      und ist Mensch geworden.
      Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
      hat gelitten und ist begraben worden,
      ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
      und aufgefahren in den Himmel.
      Er sitzt zur Rechten des Vaters
      und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
      zu richten die Lebenden und die Toten;
      seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
      Wir glauben an den Heiligen Geist,
      der Herr ist und lebendig macht,
      der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
      der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
      der gesprochen hat durch die Propheten,
      und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
      Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
      Wir erwarten die Auferstehung der Toten
      und das Leben der kommenden Welt.
      Amen.

      [I]Messdiener bringen den Kelch mit Korporale und Kelchtüchlein und das Meßbuch zum Altar. Der Erzbischof nimmt die Schale mit dem Brot, hält sie über den Altar und spricht leise. Dann stellt er die Schale auf das Korporale. Als nächstes gießt er Wein und ein wenig Wasser in den Kelch und spricht wieder leise. Der Kelch wird anschliessend über den Altar gehalten. Auch der Kelch wird auf das Korporale gestellt. Nun verneigt sich der Erzbischof davor. Dann wäscht er sich die Hände.
      Zu den Anwesenden zugewandt, spricht der Erzbischof nun:


      Lasset uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, daß er die Gaben der Kirche annehme zu seinem Lob und zum Heil der ganzen Welt.

      Herr, unser Gott, wir bringen das Brot dar, das aus vielen Körnern bereitet, und den Wein, der aus vielen Trauben gewonnen ist. Schenke deiner Kirche, was die Gaben geheimnisvoll bezeichnen: die Einheit und den Frieden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

      In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Herr, Heiliger Vater, immer und überall zu danken durch Deinen geliebten Sohn Jesus Christus. Er ist Dein Wort, durch ihn hast Du alles erschaffen. Ihn hast Du gesandt als unseren Erlöser und Heiland: Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Um Deinen Ratschluß zu erfüllen und Dir ein heiliges Volk zu erwerben, hat er sterbend die Arme ausgebreitet am Holze des Kreuzes. Er hat die Macht des Todes gebrochen und die Auferstehung kundgetan. Darum preisen wir Dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob Deiner Herrlichkeit. Amen.

      Hosanna in excelsis deo! Ja, Du bist heilig, großer Gott, Du bist der Quell aller Heiligkeit

      Sende Deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib ...

      Der Erzbischof macht ein Kreuzzeichen über Schale und Kelch.

      ... und Blut Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.
      Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach:

      Nehmet und esset alle davon: das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

      Der Erzbischof zeigt der Gemeinde nun die konsekrierte Hostie, dann legt er sie auf die Hostienschale und macht eine Kniebeuge.

      Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:

      Nehmet und trinket alle daraus: das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.

      Der Erzbischof zeigt der Gemeinde den Kelch, dann stellt er ihn auf das Korporale und macht eine Kniebeuge.

      Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit. Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Deines Sohnes und bringen Dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar. Wir danken Dir, daß Du uns berufen hast, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen. Wir bitten Dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut, und laß uns eins werden durch den Heiligen Geist. Gedenke Deiner Kirche auf der ganzen Erde, und vollende Dein Volk in der Liebe, vereint mit unserem Papst Innozenz V. und allen Bischöfen und Erzbischöfen, unseren Priestern und Diakonen und mit allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind.

      Der Erzbischof erhebt Hostienschale und Kelch und spricht:

      Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm
      ist Dir, Gott, allmächtiger Vater,
      in der Einheit des Heiligen Geistes
      alle Herrlichkeit und Ehre
      jetzt und in Ewigkeit!
      Amen.

      Wir haben den Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht. Darum wagen wir zu sprechen:

      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.
      Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

      Der Herr hat zu seinen Aposteln gesagt: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Deshalb bitten wir:
      Herr Jesus Christus, schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden.

      Gebt nun einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung!

      Der Erzbischof bricht die Hostie über die Schale in mehrere Teile zum Zeichen, daß alle von demselben Brot essen und an dem einen Leib Christi teilhaben. Ein kleines Fragment der Hostie senkt er in den Kelch. Der Domchor singt inzwischen:

      "Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser.
      Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
      erbarme dich unser.
      Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
      gib uns deinen Frieden.
      Amen."

      Der Pfarrer macht eine Kniebeuge, nimmt ein Stück der Hostie, hält es über der Schale und spricht, zur Gemeinde gewendet, laut:

      Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.

      Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

      Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.

      Die Gläubigen, die am Abendmahl teilnehmen, kommen nach vorne, während die Orgel ertönt.

      Zu jedem Abendmahlteilnehmer:


      Der Leib Christi!


      Nachdem alle am Abendmahl teilgenommen und wieder ihre Plätze eingenommen haben, breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Der Erzbischof zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klägen der Orgel in den Dom ein.

      Liebe Gemeinde,
      wir hören nun aus der Heiligen Schrift nach Matthäus:

      "Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?
      Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzig mal sieben.
      Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.
      Als er aber anfing, abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete.
      Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit seine Schulden zu bezahlen.
      Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen.
      Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehen.
      Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist!
      Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen.
      Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe.
      Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war.
      Da rief ihn sein Herr herbei und spricht zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest.
      Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?
      Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war.
      So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt."

      Liebe Gemeinde,
      wir lesen bei Johannes: "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit."
      Wir leben alle von der Gnade Gottes: von Seinem Erbarmen mit uns, von Seiner Vergebung, die uns in Jesus geschenkt wird. Wir leben davon, daß Gott - obwohl er es nicht müßte! - uns alle unsere Schuld vergibt, uns freispricht, uns begnadigt, daß er uns nicht anklagt, sondern uns frei ausgehen läßt! Als Jesus am Kreuz ausrief: "Es ist vollbracht!", da hat er unsere Schuld bezahlt und uns damit gerecht gesprochen. Zu Gott kommt keiner von uns durch seine eigene Gerechtigkeit, sondern wir sind als Christen allesamt - begnadigte Versager.
      Petrus fragt Jesus, ob er seinem Bruder bis zu siebenmal vergeben soll, und Jesus antwortet ihm: "Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzig mal sieben." Das ist keine Feilscherei um Zahlen. Die Zahl Sieben steht traditionell für Vollkommenheit. Petrus fragt Jesus also, ob er seinem Bruder vollkommen vergeben soll und Jesus verlangt von ihm vollkommen-vollkommenste, grenzenlos-unendlich, unzähbar-wiederholte Vergebung gegenüber seinem Bruder. Wiewohl sich die Grenzenlosigkeit auf die Häufigkeit der Vergebung bezieht, wird von Jesus keine Grenzenlosigkeit des Begriffs eingefordert. Die konstitutive Bedingung des Konzepts der Vergebung wird auch von Jesus nicht außer Kraft gesetzt. Entsprechend handelt das Gleichnis von der Vergebung gegenüber jemandem, der seine Schuld anerkennt und seine Bereitschaft zur Wiedergutmachung erklärt. Einem, der seine Schuld eingesteht und bereut soll grenzenlos vergeben werden. Gegenüber jenem, der seine Schuld nicht einsieht, kann von Vergebung aber keine Rede sein, ja er steht außer dieser Möglichkeit.
      Im Gleichnis vom unbarmherzigen Schuldner schildert Jesus einen Mann, der für sich und seine Schuld Gnade in Anspruch genommen hat - aber seinem Bruder gegenüber Vergebung verweigert. Er hat für sich selbst erfahren, daß Gott ihm alle Schuld erlassen hat - aber die Schuld seines Bruders hält er fest.
      "Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?" Das Gleichnis stellt eindrücklich die Symmetrie, des zwischenmenschlichen Verhältnisses und die abgrundtiefe Asymmetrie der Verhältnisse zwischen Gott und den Menschen dar. Gott und Mensch stehen einander gegenüber wie König und Knecht. Der Schuldner des Knechts ist dagegen sein Mitknecht. Der Ausdruck "Mitknecht" ist ganz bewusst gewählt worden, um anzudeuten, dass beide derselben Schicht oder Klasse angehören, und zwischen ihnen eine solidarische, brüderliche Bindung herrschen müsste. Auch ist die Summe von 100 Denaren eine eher geringe Summe, deren Bezahlung auch für Knechte im Bereich des Machbaren liegt, während die Summe zehntausend Talenten eine so gewaltige Summe ist, dass die Bezahlung für eine Knecht außerhalb seiner Möglichkeiten lag. Seine Ankündigung, er wolle diese Schuld bezahlen, war also absolut unrealistisch und unglaubhaft. Und doch sieht der König nicht nur von einer Bestrafung ab, nein, er erlässt ihm die Schuld. Die Schuld des Knechts gegenüber dem König ist also weitaus größer, als die seines Mitknechtes ihm gegenüber. Seine Situation wesentlich verzweifelter und auswegloser, denn es ist undenkbar, dass er seine Schuld jemals abbezahlen kann oder jemand anderes kommt und für ihn die Schuld begleicht und ihn so aus der Schuldknechtschaft befreit. Hätte der König auf die Begleichung der Schuld bestanden, und ihn und seine Familie in die Schuldsklaverei verkauft, wäre er niemals in die Lage gekommen, gegenüber seinem Mitknecht auf seine Ansprüche zu bestehen. In diese Situation kommt er nur, weil er den Raum als freier Mann verlässt.
      Kaum hat er als freier Mann den König verlassen, trifft er seinen Mitknecht. Auch wenn er formal im Recht ist, empfinden wir sein Verhalten, angesicht des soebenen Geschehenen, als skandalös. Als der König von der Unbahrmherzigkeit des Knechts erfährt, widerruft er seinen Schuldenerlass. Er ist der König über beide. Ihm steht es zu, den Schuldenerlass zurückzunehmen und den Mitknecht aus dem Kerker zu befreien.
      Jesus macht hier deutlich: Indem der Knecht sich so verhält, verleugnet er die Gnade Gottes, auf die sein Leben aufgebaut ist - und wird darum schrecklicherweise diese Gnade wieder verlieren!
      Für uns Christen bedeutet dies: es ist unmöglich, einen anderen anzuklagen und seine Schuld einzufordern. Denn ich selbst werde von Gott nicht nach dem Recht, sondern nach der Gnade beurteilt, die ich anderen widerfahren ließ. Oder anders formuliert: Es gibt keine Pflicht, erst recht keine gesetzliche, zur Vergebung. Es ist aber die menschliche Vergebung gegenüber seinen Mitmenschen, die die Voraussetzung dafür ist, dass Gottes Vergebung im Endgericht gilt.


      Es singt der Chor und es spielt das Orchester.

      "Es ist Dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von Dir fordert: nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor Deinem Gott."

      Liebe Gemeinde, lasst uns beten:
      Lieber Vater im Himmel! Wir danken dir für unser Leben, wir danken dir, dass wir zu essen und zu trinken haben und nicht hungern müssen. Wir danken dir, dass wir in einem Land leben, wo kein Krieg ist. Du weißt, wir sind Menschen, die schuldig werden und gerne mit anderen abrechnen. Wir bleiben unseren Mitmenschen vieles schuldig. Vergib uns, Gott. Wir bitten dich für diesen Gottesdienst: Gib uns die Kraft, mit anderen Erbarmen zu haben und ihnen die Schuld zu vergeben. Behüte und beschütze uns auf unseren Wegen und sei auch mit denen, die es nicht so gut haben wie wir. Amen.

      Es ertönt die Orgel,während die Gemeinde singt:

      "Großer Gott wir loben Dich,
      Herr, wir preisen Deine Stärke;
      Vor Dir neigt die Erde sich
      Und bewundert Deine Werke.
      Wie Du warst vor aller Zeit,
      So bleibst Du in Ewigkeit.

      Alles, was Dich preisen kann
      Cherubim und Seraphinen,
      stimmen Dir ein Loblied an;
      alle Engel, die Dir dienen,
      rufen Dir in sel'ger Ruh'
      "Heilig, heilig, heilig" zu.

      Himmel, Erde, Luft und Meer
      sie verkünden Deine Ehre;
      der Apostel glänzend Heer,
      der Propheten sel'ge Chöre
      und der Märtrer lichte Schar
      lobt und preist Dich immerdar."

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus dem Dom aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Liebe Gemeinde,
      wir lesen in der heiligen Schrift:
      "Und nun, ihr Reichen: Weint und heult über das Elend, das über euch kommen wird! Euer Reichtum ist verfault, eure Kleider sind von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber ist verrostet und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis geben und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt in diesen letzten Tagen! Siehe, der Lohn der Arbeiter, die euer Land abgeerntet haben, den ihr ihnen vorenthalten habt, der schreit, und das Rufen der Schnitter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. Ihr habt geschlemmt auf Erden und geprasst und eure Herzen gemästet am Schlachttag. Ihr habt den Gerechten verurteilt und getötet, und er hat euch nicht widerstanden.
      So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. Seufzt nicht widereinander, liebe Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür. Nehmt, liebe Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn. Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer. Vor allen Dingen aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit einem andern Eid. Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt."

      Es spielt das Kirchenorchester und es singt der Tenor der Kirchenchors.

      Liebe Gemeinde,
      wir feiern heute das Erntedankfest. Erntedank heißt, Gott, den Schöpfer danken für die reiche Ernte des Jahres: für die Früchte des Feldes und all' dessen, was die Natur in so reicher Fülle hervorgebracht hat. Es heißt aber auch zu danken für die Schönheit der Schöpfung: für die Schönheit der Blumen, der Bäume, der Landschaften.
      Das Erntedankfest ist auch ein Zeichen gegen die Gedankenlosigkeit, mit der der moderne Mensch in die vollen Regale der Supermärkte greift in der Meinung, das alles sei selbstverständlich. Das ist es aber nicht. Wir wissen, daß viele Millionen Menschen auf unserem Globus hungern, kaum das Nötigste zum Leben haben, von Katastrophen heimgesucht werden, die ihnen alle Lebensgrundlagen nehmen. So haben wir allen Grund, Gott zu danken für seine Gaben und ihn zu bitten für die notleidenden Menschen und die bedrohte Schöpfung.
      Erntedank ist aber ein Zeichen gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Dagegen, dass der Reichtum in den Gesellschaften oft so krass und so unterschiedlich verteilt ist. Es gibt zu viele Menschen, die andere Menschen unterdrücken, ihre Notlagen ausnutzen und auf ihren Schultern und durch ihrer Hände Arbeit ihren Wohlstand gründen. Wahrlich, gedenkt des Wortes, "denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme."

      Unser Herr und Gott hat uns gelehrt, um das tägliche Brot zu bitten.
      Darum rufen wir zu ihm:

      Für die Gemeinschaft der Christen,
      dass wir wirksame Mittel und Wege finden,
      für einen gerechten Ausgleich der Güter in aller Welt zu sorgen.
      Für die Mächtigen der Welt aus Wirtschaft und Politik,
      dass sie lernen das Wohl aller Menschen in den Mittelpunkt ihres Denkens zu stellen
      und nicht den Profit und Vorteil einiger Weniger.
      Für die Menschen, die ihr tägliches Brot durch die Arbeit in der Landwirtschaft verdienen.
      Um Vertrauen in sich selbst und an Gottvertrauen,
      dass ihr Tun nicht einfach nutzlos scheint.
      Für die Menschen, die vor den übervollen Regalen unserer Konsumgesellschaft stehen,
      dass sie ein waches Gespür für das Lebensnotwendige
      und Gespür für einen gerechten Lohn entwickeln.
      Guter Gott, diese Bitten bringen wir vor dich, durch Christus unseren Herrn.

      Lasst uns beten:
      Guter Gott
      Wir bringen das Brot -
      Zeichen für alles, was die Erde hervorbringt. -
      wovon wir Menschen leben -
      wonach wir Menschen hungern -
      wofür wir uns abmühen -
      Brot, das alle Menschen der Erde ernähren soll.

      Wir bringen den Wein -
      Zeichen für das, was die Erde uns schenkt und bietet.
      Zeichen für das leben selbst -
      denn wir dürsten nach Leben.
      Nach Lebenserfüllung,
      nach Lebensfreude -
      Freude, die allen Menschen verheißen ist.

      Wir bringen uns selbst -
      Nimm uns, wie wir sind -
      wie wir sein möchten.
      Bediene dich unserer Anstrengungen -
      mach Brot und Wein,
      mach uns, deine Gemeinde -
      zum Zeichen deiner Gegenwart -
      in unserer Welt.

      Es singt der Kirchenchor.

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Original von Lucia Belaiuto
      *geht in die Kathedrale und bekreuzigt sich* *sieht den Erzbischof Leber in einer Ecke der Kathedrale stehen und geht zu ihm*

      Ich fand die letzte Andacht sehr schön, ich hoffe Sie werden noch einige Andachten in dieser Kathedrale halten!


      Das freut mich zu hören, meine Tochter. Und ich hoffe, dass Sie weiterhin eine treue Kurchgängerin bleiben werden. :)
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Liebe Gemeinde,
      in der Heiligen Schrift lesen wir:
      "Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet. Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben."

      Es ertönt die Orgel.

      Liebe Gemeinde,
      Jesus spricht zu uns: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Viele fragen sich heute: Gibt es Gott? Wo ist Gott? Ist er ein sogenanntes "höheres Wesen", das weitab von der Erde und weitab auch von mir selber ist? Kann man Gott irgendwie erfahren? Ist es möglich, ein persönliches Verhältnis zu Gott zu haben? Viele gehen sogar soweit, Gott zu verleugnen und Religion als "Opium für das Volk" zu bezeichnen - erst kürzlich wieder in der öffentlichen Diskussion - und niemand widersprach. Die Antwort Gottes auf diese Fragen, diese Zweifel und die Verleugnung ist nach dem einhelligen Zeugnis der Bibel eine Person: Jesus Christus. In ihm ist Gott aus seiner Verborgenheit herausgetreten. In ihm hat er sich uns Menschen geoffenbart. Durch ihn hat er uns Menschen seine Barmherzigkeit und Menschenliebe verkündigen lassen. Christus überwindet unsere Angst vor dem allmächtigen, verborgenen und darum uns Menschen unheimlichen Gott. Durch Christus baut Gott ein Vertrauensverhältnis zwischen uns Menschen und ihm auf. Wir nennen das Glauben. Glauben im Sinne von fester Überzeugung.
      Durch Jesus Christus hat Gott uns anschaulich gemacht, wie er uns Menschen gegenüber eingestellt ist und was er will. Christus ist Gottes Liebe in Wort und Tat. Und Christen – also die Menschen, die an Christus glauben und von seiner Lebensart beeinflusst sind – Christen sind ebenfalls Menschen, die Gottes Liebe in Wort und Tat weitergeben. Es geht gar nicht anders. Nur fromme Worte auf den Lippen, den Bedürftigen im Stich lassen und Unfrieden verbreiten: das passt nicht zusammen. In dem bekannten Gleichnis vom Weltgericht sagt Christus sehr deutlich: Wer Christ sein will, wer ihm dienen will, der kann das nur als ganzer Mensch tun: Mit Herzen, Mund und Händen, in Wort und Werk. Was "Christus dienen" bedeutet, das wird in dem Gleichnis dann sehr konkret entfaltet. Niemand soll sagen können, er könne das nicht oder er habe das nicht gewusst.
      Christus dienen heißt nach diesem Gleichnis: Christus in Menschen begegnen; in dem Bedürftigen Christus selber entdecken und ihm durch Nächstenliebe dienen. Nächstenliebe ist immer ganz konkret: Dem Hungrigen zu essen, dem Durstigen zu trinken geben, den Fremden aufnehmen, den Nackten bekleiden – das alles sind einfache, lebenserhaltende Liebesdienste, die an unser Portemonnaie gehen. – Kranke besuchen, Gefangene betreuen – das sind Liebesdienste, die unsere Zeit erfordern.
      So konkret sagt Christus uns, was er von seinen Nachfolgern erwartet. Konkreter geht es nicht! Sich zu Jesus mit Worten vor anderen Menschen bekennen ist gut und notwendig, ebenfalls das Gebet und die Beschäftigung mit der Bibel. Aber das alles ist kein Selbstzweck, sondern es soll Auswirkungen haben. Darum traut Christus uns auch Taten der Liebe zu, die unser Portemonnaie und unsere Zeit betreffen. Sie können sich sicher vorstellen, dass es in unserer Welt anders aussehen würde, wenn viele Menschen – vor allem auch wir Christen – nach Jesu Wort leben würden: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
      Gott sitzt nicht untätig auf seinem Thron und denkt: "Na, lass die Menschen man machen!" Sondern Gott sandte Christus, seinen Sohn, dass er uns seine Liebe verkündigte, dass er sie uns vorlebte, und dass er uns mit dem Geist seiner Liebe zu ähnlichem Tun fähig macht. Und nach der Auferweckung Jesu sucht Gott unter uns Menschen Mitarbeiter, die Christi Werk fortsetzen: Die seine Liebe weitersagen und weitertragen – in Worten und auch in Werken. Das ist Gottes Antwort auf die viel gestellte Frage "Wie kann Gott das zulassen?", die viele Menschen daran zweifeln lässt, ob es Gott gibt. Gott gibt diese Frage an uns zurück: "Wie könnt ihr Menschen das zulassen, dass viele eurer Schwestern und Brüder verhungern müssen, während ihr überreichlich zu essen und zu leben habt?"

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde,
      in unserem Land herrscht ist eine große Diskussion entbrannt, wie die Verfassung unseres Staates neu zu fassen sei. Es geht hierbei um die Frage nach der Kompetenzverteilung zwischen der Union und den einzelnen Unionsländern. Welche Kompetenzen soll die übergeordnete Ebene haben, welche die Teile, die das Ganze konstituieren, damit der Staat, unser Gemeinwesen, am Leben bleibt?
      Wie aber ist der vollkommene Staat auf Erden beschaffen, in dem das Herz Ruhe und die Seele Frieden finden kann? Wahrlich: suchet diesen Staat in Euren eigenen Herzen. Und sobald Ihr ihn gefunden habt, wird er auf der ganzen Welt existieren.
      Was aber sollen seine Kriterien sein? Eine Verfassung, unter der alle Menschen die Vollkommenheit anstreben, ohne ihrer jemals ganz teilhaftig zu werden. Wo die Güte mit der Würde gepaart ist, die Freundlichkeit mit der Vernunft, die Bildung mit der Vornehmheit, Liebe mit Demut, Frieden mit Kraft, wo die Barmherzigkeit weltumspannend ist, wo die Weisheit die Schwester der Demut und das Wissen jene des Staunens ist. Achtet die Seelen der anderen, und auf der tiefsten Sprosse Eurer Wertschätzung stehe der Ignorant.
      Bist Du aber ein Herrscher, dann sei ehrlich in Deinem Bestreben, der oberste Diener aller Menschen Deines Dir anvertrauten Volkes zu sein, erhebe Dich über das Böse und übe Dich zum Wohle Deiner Mitmenschen frohen Herzens in Selbstbeherrschung. Liebe die Wahrheit, denn Lug und Betrug sind die Werkzeuge des Bösen. Sprich nicht von Gold, sondern von Freundschaft. Sei gläubig, denn ein Volk ohne Glauben wird untergehen. Sei friedfertig und gerecht.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Wahrlich, denn es steht geschrieben in der Offenbarung der Heiligen Schrift:
      "Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tod. Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat."

      Liebe Gemeinde,
      ein Herrscher ohne Glauben wird vielleicht kurzfristig Erfolge und große Siege feiern können, seine gottferne Ideologie mag vielleicht einleuchtend klingen, aber er wird sein Haus auf Sand gebaut haben und sein Reich wird keinen Bestand haben: Staub, heulender Wind und abbröckelnde Leere wird der gottlosen Herrscher harren, die Siegesfahnen werden zerbrochen und weggefegt werden und die Säulenhallen der Sieger sich in Steinhaufen verwandeln. Die Straßen, über die die Könige reiten, werden im Sand vergraben sein, und Sand wird sich einnisten, wo einst der Herrschende auf seinem Thron saß.
      Die Reiche der Tyrannen werden vergehen, und es wird keine Spur von ihnen zurückbleiben. Denn ihr Weg ist der Weg des Todes, und alles Lebendige muss sich von ihnen abwenden. Am Ende aber wird der Tyrann vom Gewicht seiner Opfer erdrückt werden, die Städte, die er geschleift und in Rauch aufgehen ließ, werden neu entstehen, das Korn, welches er verbrannt hat, wird neu gesät werden und der von ihm vergiftete Quell wird wieder rein und klar fließen, über ihren Gräbern wird der Wind der Vergessenheit wehen, und wo einst seine Horden alles Leben niedertrampelten, wird das Gras wachsen und ihre Spuren werden verlöschen.
      "Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat." Tausende Male wird das Böse die Erde heimsuchen, und tausende Male wird die Menschheit überleben, um den Boden zu bebauen und ihre Wohnstätten und Gottes Haus zu errichten. Denn das Gute ist unvergänglich. Was der Tyrann aber tut, wird wie Sand durch seine Finger rinnen, und er, seine Werke und seine Taten werden im Sand versinken.

      Es singt der Tenor des Kirchenorchesters und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde, liebt Gott und sucht ihn mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken, mit jedem Wort und mit jeder Tat. Er allein wird Euch nicht verraten, wenn alle anderen Euch enttäuschen. In ihm liegt die einzige Wahrheit und das ewige Leben. - Glaubt an diese Dinge, und der vollkommene Staat gehört Euch, und mit Euch der ganzen Welt.

      Es singt die Sopranistin des Kirchenchors.


      Lasst uns beten:
      O Herr, barmherziger Gott, Quelle der Gerechtigkeit und des Friedens, wir bitten Dich, erhöre uns. Gib den Mächtigen dieses Landes und der Welt die Einsicht, zum Wohle der Menschen zu handeln und dem Frieden zu dienen, gib ihnen die Kraft, sich nicht korrumpieren zu lassen und gib ihnen den Mut, sich Unrecht, Gewalt und Unterdrückung entgegenzustellen.
      Herr, sei Du mit den Bedrängten und Verfolgten, sei Du mit den Menschen, die in ihrer Not und Verzweiflung nicht ein noch aus wissen, spende ihnen Trost und weise ihnen den rechten Weg.
      Herr erbarme Dich unser!

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Liebe Gemeinde,
      in der Heiligen Schrift lesen wir:
      "In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete:
      Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden. "

      Es singt der Tenor des Kirchenchores und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde,
      zwei Männer gingen zum Tempel hinaus, ein Pharisäer und ein Zöllner. Die Pharisäer im antiken Sebulon bemühten sich, die Gebote und Verbote im Gesetz des Moses treu zu beachten. Sie taten mehr, als das Gesetz vorschrieb. Zum Beispiel fasteten sie nicht nur an einem Tag im Jahr, wie es das Gesetz vorsah, sondern zweimal wöchentlich, am Montag und Donnerstag. Und obwohl nur für Getreide, Most und Öl eine Art Tempelsteuer zu entrichten war, zahlten die Pharisäer freiwillig für alles, was sie kauften, den zehnten Teil des Kaufpreises an den Tempel. Das taten sie freiwillig stellvertretend für andere, die es damit nicht ernst nahmen.
      Jesus stand den Pharisäern nahe und Paulus gehörte zu ihnen. Die Pharisäer kann man durchaus mit praktizierenden Katholiken vergleichen.
      Wer seine Religion ernst nimmt und konsequent nach den Weisungen seiner Religion lebt, ist in der Versuchung, sich im Vergleich mit anderen für besser zu halten und deshalb über andere erbarmungslos zu urteilen und sie zu verachten. Dieser Versuchung sind manche Pharisäer erlegen gewesen. An diese richtete Jesus scharfe Worte. Derselben Versuchung ist auch jeder Christ ausgesetzt.
      Jesus zeichnet in diesem Gleichnis das Bild eines selbstgerechten Pharisäers. Was die Einheitsübersetzung mit „er sprach leise dieses Gebet“ übersetzt, heißt in wörtlicher Übersetzung des griechischen Originaltextes „er betete bei sich“ oder „er betete zu sich“. Mit anderen Worten: er betete sich selber an. Sein Gebet war kein Gebet, sondern eine Selbstdarstellung und eine Selbstverherrlichung. Er zählte seine großartigen religiösen Leistungen auf.
      Es gibt einen Glauben und ein Beten, bei dem es Menschen nicht wirklich um Gott geht, sondern um ihre eigene Selbstgerechtigkeit. Sie reden im Gebet zwar Gott an, bleiben in Wahrheit aber bei sich selber. Sie meinen, sie würden zu Gott beten, beten aber zu sich selber. Sie beten sich selber an. Sie missbrauchen das Gebet, um sich vor Gott und vor den Menschen darzustellen und sich ins rechte Licht zu rücken.
      Als Kontrast zum selbstgerechten Pharisäer malte Jesus das Bild eines Zolleinhebers. Dieser hob den Zoll für das römische Reich ein, dessen Soldaten Palästina damals besetzt hielten. Wegen ihrer Zusammenarbeit mit der römischen Besatzungsmacht und wegen ihrer oftmals betrügerischen Zollforderungen waren die Zolleinheber vom Volk gehasst und wurden von Selbstgerechten als öffentliche Sünder bezeichnet und verachtet.
      Der Zolleinheber im Gleichnis wagte es nicht, im Tempelvorhof nach vorne zu gehen. Anstatt seine Hände zum Gebet zu erheben, schlug er an seine Brust. Mit einem kurzen Psalmwort bringt er zum Ausdruck, dass er in seiner Sündhaftigkeit auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen ist.
      Der Zolleinheber kam wie ein Bettler mit leeren Händen in den Tempel. Er wusste, wie ungereimt sein Leben ist. Er gab offen zu, dass manches daneben ging. Ehrlich stellte er sich den dunklen und schwachen Seiten seines Lebens. Aufrichtig gestand er sich ein, dass er Gott kein sündenfreies Leben vorzuweisen hat. Ganz hinten stand er im Tempel mit leeren, aber offenen Händen. Sich seiner Schuldhaftigkeit bewusst klopfte er an seine Brust und flehte um Gottes Barmherzigkeit.
      Der Zolleinheber „kam als Gerechter nach Hause“, sagte Jesus. Das bedeutet, er hat vor Gott richtig gehandelt; der Pharisäer nicht.
      Jesus hat damit keineswegs die Sünde des Zolleinhebers gut geheißen, sondern seine Einsicht, in seiner Sünde und sein schuldhaftes Leben auf das Geschenk der Barmherzigkeit Gottes angewiesen zu sein.
      Und Jesus hat nicht die Frömmigkeit und die Gesetzestreue des Pharisäers als vor Gott unrichtig erklärt, sondern das selbstgerechte Pochen auf seine frommen Leistungen und seine lieblose Verachtung anderer. Er hielt sich selber für besser und hat übersehen, dass er wie der Zolleinheber auch Sünder ist, der der Umkehr und der Barmherzigkeit Gottes bedarf.

      Es ertönt die Orgel.

      Lasst uns beten:
      Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan, auf dass du Recht behaltest in deinen Worten und rein dastehst, wenn du richtest. Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund. Entsündige mich mit Ysop, dass ich rein werde; wasche mich, dass ich schneeweiß werde. Lass mich hören Freude und Wonne, dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missetat. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Ich will die Übertreter deine Wege lehren, dass sich die Sünder zu dir bekehren. Errette mich von Blutschuld, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, dass meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.

      Es ertönt die Orgel.

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Liebe Gemeinde,
      in der Heilige Schrift lesen wir: "Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Strasse hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!"

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde,
      was müssen wir tun, um das ewige Leben ererben? In der Geschichte wird Jesus diese Frage gestellt. Es ist eine Frage mit Hintergedanken: der Frage wollte Jesus eine Falle stellen, ihn zu einer Antwort provozieren, die ihn in Misskredit bringt.

      Aber lässt das nicht mit sich machen, er reagiert schlagfertig mit einer Gegenfrage: »Was steht denn im Gesetz? Was liest du dort?«
      Damit hat der Fragesteller nicht gerechnet. Aber welche Antwort hat er denn erwartet? Wie hat er Jesus eingeschätzt? Sicherlich als einen, der die alten Überlieferungen über Bord wirft und etwas ganz anderes fordert. Er hätte sagen können, es reicht, wenn du glaubst, dass Gott dich liebt. Das wäre für den Gesetzeslehrer ein gefundenes Fressen gewesen. Gar nichts mehr tun, das kann es doch nicht sein. Wofür hätten dann die Vorväter all diese Gesetze gelernt und gelehrt, wenn sie jetzt auf einmal nicht mehr wichtig wären?
      Vielleicht hätte es auch eine ganz andere Antwort sein können. Etwa: "Ihr müsst noch viel mehr tun, als was ihr bisher gelernt habt. Ihr habt euch doch nur die Lücken im Gesetz gesucht, um euch dahinter zu verstecken, ihr müsst euch einsetzen voll und ganz, mehr tun als im Gesetz steht. Auch das wäre eine Beleidigung des Schriftgelehrten gewesen, zumindest hätte er es so aufgefasst. Denn es ist ja schon etwas Wahres dran.
      Beide Antworten wären möglich gewesen, beide Antworten finden sich so oder ähnlich in den Evangelien. "Fürchte dich nicht; glaube nur!", so heißt es in einer Heilungsgeschichte im gleichen Evangelium. Der einfache Glaube das reicht schon aus, mehr wird nicht verlangt.
      Aber Jesus kann auch anders: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist : »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.
      Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.
      Ja, Jesus kann auch anders, er kann Gebote auch verschärfen, kann sie zuspitzen, und damit zeigen, dass Menschen sich oft nur hinter Gesetzen verschanzen und ihre Lücken finden.
      Doch alle diese Antworten kommen nicht auf die Frage des Gesetzeslehrers: "Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
      Jesus spielt den Ball zurück: Er sagt mit anderen Worten: Das weißt du doch selber, du hast doch die Gesetze gelernt!
      Und tatsächlich lässt sich der Gesetzeslehrer von Jesu Antwort beeindrucken. Selbst sagt er auf was im Gesetz steckt.
      »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«.
      Gottesliebe und Nächstenliebe. Die Liebe zu Gott und den Menschen. Beides ist wichtig! Und der Schriftgelehrte hat das erkannt. Und gibt es so wieder.
      Das Doppelgebot der Liebe. In einer anderen Überlieferung der Geschichte, verläuft das Frage- und Antwortspiel anders: Da gibt Jesus die Antwort, da fasst er das Gesetz auf diesen Kern zusammen, Gottesliebe und Nächstenliebe. Wenn hier bei Lukas der Fallensteller selbst die Antwort gibt, dann macht das deutlich: Das, was Jesus will, das ist eigentlich nichts neues, das weiß jeder Kenner der Bibel. Und wer es selber ausspricht, der macht da mit deutlich, dass er es auch verstanden hat.
      In den anderen Evangelien, fragt der Fallensteller auch schon ganz andres. Da heißt es kurz und bündig: "Welches ist das höchste Gebot von allen?". Da wir die Falle doch in einer ganz anderen Weise aufgestellt. Viel einfacher, viel direkter, eine richtige Kampfansage ist so eine Frage. Welches ist das höchste Gebot? Da wird doch schon deutlich: "Wehe, du hast eine andere Meinung als ich!"
      Das Gespräch verläuft in dieser Geschichte viel weniger kämpferisch. Und auch die Eingangsfrage kann ja auch wirklich eine Frage sein, die ein echtes Bedürfnis widerspiegelt:
      "Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
      Vielleicht ist der Hintergedanken ja der, dass der Schriftgelehrte es wirklich wissen will, dass er viel mehr der Suchende und Fragende ist als der Fallensteller. Vielleicht!
      Wie sieht es mit der nächsten Frage aus: "Wer ist denn mein Nächster?" Auch diese Frage hätte sich der Schriftgelehrte selber beantworten können. Nächstenliebe ist keine Erfindung von Jesus, das gab es auch schon im alten Testament. Wenn er selbst geantwortet hätte dann hätte er sicherlich aus dem 3. Buch Mose zitiert, wo steht: "Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR."
      Das, was der Fragesteller gelernt hat war also, die Kinder das eigenen Volkes zu lieben, Ihnen nicht zornig zu sein, sie zu lieben wie sich selbst. Doch wie ist das bei anderen?
      Wer ist den mein Nächster? Jesus vertraut hier nicht mehr auf die Einsicht des Gesetzeslehrers, und jetzt spricht er selbst und jetzt erzählt er etwas neues. Und diese Geschichte findet man auch nur einmal in der Bibel: die Geschichte vom barmherzigen Samariter.
      Dieser Samariter geht nicht achtlos an dem Unglück, eines einzelnen vorbei, wie manch andere scheinbar ehrbare Menschen. Was ist dieser Samariter für ein Mensch?
      Zu sehr hat sich der Begriff "Samariter", mit dieser Geschichte verbunden, so dass viele schon meinen, ein Samariter das wäre eben jemand, der berufsmäßig Leuten hilft, die unter die Räuber oder unter die Räder gekommen sind. Aber hier leistet nicht jemand Erste Hilfe, der dafür bezahlt wird, hier mischt sich jemand ein, der eigentlich nichts damit zu tun haben brauchte.
      Er ist einer aus dem Volk der Samaritaner, die im Gebiet Samaria, zwischen Galiläa und Judäa, angesiedelt waren. Sie sind als selbständige religiöse Gruppe aus dem Judentum hervorgegangen und haben sich, wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr., von Jerusalem getrennt. Von allen jüdischen Religionsparteien wurden sie als Ketzer verachtet, weil sie nur die fünf Bücher Mose als heilige Schriften anerkannten und weil ihnen nicht der Berg Zion in Jerusalem als Ort des Gottesdienstes galt, sondern der Berg Garizim in ihrem eigenen Land. Fromme Juden mieden deshalb die Begegnung mit Samaritanern, oder Samaritern, ebenso wie das Betreten ihres Landes.
      Die Geschichte bietet also genügend Zündstoff. Besonders dann wenn man schaut, welche Menschen in der Geschichte, die Jesus erzählt, alles nicht geholfen haben.
      Ein Priester ging vorüber. Und er ging wirklich vorüber und zwar erst dann, als er den Menschen sah. Was geht in diesem Priester wohl vor? Hat er Angst, sich schmutzig zu machen? Er ekelt sich sicherlich nicht vor Blut, das kennt er von den Opfern im Tempel. Hat er Angst, sich unrein zu machen. Er wäre bis zum Abend unrein gewesen, hätte sich der rituellen Waschung unterziehen müssen, wenn, ja, wenn der Mann gestorben wäre. Erst dann wäre er unrein gewesen. Manche Bibelstellen sagen sogar, der Priester hätte sich dann dadurch entheiligt, hätte keine Opfer mehr feiern können!
      Aha, eine Entschuldigung also für die unterlassene Hilfeleistung. So was kann man ja auch von so einem Mann nicht verlangen! Wirklich nicht? Hätte er nicht auch sein Priestertum aufs Spiel setzen können, um dem Menschen das Leben zu retten? Wer würde das heute tun, seinen gesellschaftliche Stellung riskieren, sein Einkommen verlieren, nur um jemanden zu helfen, den man gar nicht kennt?
      Mit dem Leviten geht es ähnlich. Er gehört dem Stamme Levi an dem Priesterstamm, zwar nicht so hoch gestellt wie der erste Priester, aber immerhin! Vielleicht hat er ja auch den ersten Priester gesehen, und sich gedacht, wenn der nicht hilft, dann brauche ich es sicherlich auch nicht. Vielleicht.
      Aber der Mann aus Samarien hilft. Wir wissen nicht was er sonst noch vorhatte. Ob er sich schmutzig machte oder nicht, dass interessierte ihn jedenfalls nicht. Er übernimmt sogar die Verantwortung für den Mann, lässt es sich was kosten, gibt dem Wirt der Herberge Geld, wo er doch hätte sagen können: "Bis hier her habe ich ihn gebracht, jetzt können mal andere Nächstenliebe zeigen. Soll der Wirt ihn doch mal umsonst versorgen." Aber er hatte sicherlich Angst, dass der Wirt ihn rausschmeißt, bevor er wieder gesund wird, daher zahlt er für ihn, sicherlich nicht zu knapp.
      36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?
      Ja, "Wer?", die Antwort fällt nicht schwer: "Der ihm die Barmherzigkeit getan hat." Es fällt auf, dass er nicht einfach sagt: "Der Samariter!". Das wäre im sicherlich schwerer über die Lippen gekommen. Dann hätte er nämlich zugeben müssen, dass es einer war, den man nicht mehr zu dem eigenen Volk zählt, ein Abtrünniger, fast schon ein Ausländer. Und die waren doch bisher nicht extra genannt, wenn es darum ging, wer der Nächste ist.
      "So geh hin und tu desgleichen!"
      Hier endet die Geschichte und hier fängt sie für uns an. Wie gehen wir mit ihr um? Es ist ja eine der bekanntesten biblischen Geschichten überhaupt.
      Wir können uns nicht damit trösten, dass heute das System der Rettungswagen, die Frage überflüssig gemacht hat. Ja, es gibt heute welche, die man dann auch Samariter nennt, die diesen Dienst für uns tun.
      Die Frage ist, ob wir erkennen, dass wir nicht nur für die da sind, die uns in den Kram passen, sondern auch für die anderen. Interessant ist ja auch die Blickrichtung des Gleichnisses: Jesus sagt nicht "Ihr müsst auch für die sonst ungeliebten da sein", sondern er sagt: "Im Ernstfall helfen euch die, die ihr hasst, vielleicht mehr als die, die ihr anhimmelt."
      Doch gerade diese Geschichte von der Kanzel zu predigen birgt eine große Gefahr. Es ist die Gefahr, den Priester zu übergehen, ihn zu rechtfertigen oder sich von ihm zu distanzieren.
      Ich kann ihn übergehen, in dem ich zu schnell den Samariter lobe, seine Selbstlosigkeit herausstelle. Dann vergesse ich den Priester und den Leviten. Das könnte ja ich selber sein.
      Ich kann ihn rechtfertigen. Neben den Fragen der kultischen Reinheit, die damals eine Rolle spielte, könnte ich heute sagen: Der Priester hatte bestimmt Verpflichtungen, er musste Termine einhalten, durfte Leuten, die auf ihn zählten nicht enttäuschen. Dann entschuldige ich den Priester und den Leviten. Das könnte ja ich selber sein.
      Ich kann mich von ihm distanzieren: Das war ein anderer Religionsdiener als die heutigen Pastoren. Ihm kam es nur auf das Opfer an, nicht auf den Kontakt zu den Menschen. Er gehörte ja einer ganz anderen Religion an, er war dem alten Bund verhaftet, wusste nichts von der befreienden Liebe Jesu Christi. So einer bin ich ja nicht! Dann will ich mich hinwegsetzen über den Priester und den Leviten. Das könnte ja ich selber sein.
      Jesu Geschichte stellt meine Sicherheit in Frage. An wem bin ich achtlos vorüber gegangen? An wem bin ich vorüber gegangen, obwohl ich ihn gesehen habe? Bei wem wollte ich mir die Finger nicht schmutzig machen? Ja, ich komme vor in dieser Geschichte.
      Andererseits, was wäre, wenn ich nun kein Pastor wäre und säße in der Kirche und hörte die Geschichte? Würde ich dann vielleicht denken: "Ja, ja so sind sie die so genannten Geistlichen, wenn's ernst wird kneifen sie. Das hat man sich ja immer schon gedacht."
      Auch das hilft nicht weiter. Jesu Geschichte will nicht neue Feindbilder schaffen. Sie will alte Feindbilder aufbrechen und fest gefügtes in Frage stellen.
      Ja, wer mir der Nächste ist, das kann ich ganz überraschend merken, das hat nichts mit Traditionen zu tun, wenn's drauf ankommt, dann muss ich handeln. Doch noch etwas wird deutlich:
      Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.
      Ich habe Verantwortung für den Mitmenschen. Aber ich darf mich dabei auch nicht selbst vergessen.
      Es gibt Menschen die können auch dem Druck. den solch eine Geschichte erzeugt, nicht standhalten. Ja, sie müssen immer da sein für andere, so dass sie sich selbst kaputt machen. Auch das ist hier nicht gemeint. Das heißt, ich darf mich selbst auch ein bisschen lieben, darf mich nicht vergessen.
      Die Geschichte zeigt das auch: Der Samariter lässt sich nämlich nicht von der Hilfe zu dem Geschlagenen aufzehren. Er hatte ja ein Ziel auf seiner Reise und das will er auch verfolgen. Er nimmt seinen Weg wieder auf, nachdem er den Wirt bezahlt hat und geht seinen Geschäften nach. Er vergisst den Geschlagenen nicht, will ja bei seiner Rückkehr die Rechnung bezahlen. Aber er krempelt auch nicht sein ganzes Leben für ihn um. Er bleibt er selbst, obwohl er hilft. Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.
      Nur eines dürfen wir in diese Geschichte nicht hineinlesen: Das berühmte Sprichwort: "Jeder ist sich selbst der Nächste." Denn dann wären wir allein, ganz allein. Und hätten auch niemanden, der uns hilft wenn wir ihn brauchen.
      Jesus öffnet uns die Augen für den Mitmenschen. Das ist die eine Seite der Geschichte. Er öffnet uns auch die Augen für Gott. Denn es geht ja auch um die Liebe zu Gott. »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«.
      Das eine geht nicht ohne das andere. Beides gehört untrennbar zusammen.
      Bleibt noch die Fangfrage des Schriftgelehrten: "Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
      Er, der eine Falle stellen wollte wurde von Jesus ernst genommen. Ja, er kann das ewige Leben erhalten. Es ist ganz leicht. Er brauchte seine Religion nicht zu wechseln, er brauchte nicht das gleiche Leben zu führen wie Jesus. Er brauchte nur das zu tun, was er sowieso schon weiß. Er brauchte nur jemanden, der ihm ein bisschen auf die Sprünge hilft, so wie wir auch. Amen.

      Es ertönt die Orgel

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Bernhard Leber ()

    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Liebe Gemeinde,
      wir lesen in der Heiligen Schirft:
      "Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth. Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren hochbetagt. Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des Räucheropfers. Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des Räucheraltars. Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn. Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist betagt. Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit. Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm. Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus. Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach: So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.
      Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.
      Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.
      Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit. Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.
      Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte. Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle. Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott. Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas. Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
      Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. 80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte. "

      Es singt der Kirchenchor.

      Liebe Gemeinde,
      meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes. Ja, Gott hat Großes getan in jener Zeit, die nun 2008 Jahre zurückliegt. Dinge, die so unlgaublich erscheinen, dass sie selbst uns in Erstaunen versetzen.
      Advent heißt Ankunft. Wir öffnen uns der besinnlichen Zeit, die doch erfüllt ist vom Ungeduld der Vorfreude. Advent ist eine bewegte Zeit, in der wir uns auf die Ankunft des Herrn vorbereiten. Für uns Christen ist diese Zeit eine Zeit der Vorfreude und der Gewissheit, dass Gott zu uns kommt. Die Adventszeit ist daher eine Zeit der Vorbereitung, in der wir auf das Kommen und die Ankunft des Herrn warten. Wir bereiten uns auf das Weihnachtsfest vor, bei dem wir uns der Menschwerdung Gottes erinnern, eines Ereignisses, dass tatsächlich vor 2008 Jahren stattfand. Der Advent versetzt uns in jene Zeit, als die Menschen auf die Ankunft des Messiahs warteten, von dem Heil, Rettung und Erlösung sehnlichst erwartet wurden.
      Man mag einwenden, dass ein Zurückversetzen in die Zeit des Alten Testaments gar nicht möglich, weil wir die Menschwerdung Gottes ja nicht ungeschehen machen können. Aber darum geht es nicht. Gleichwohl wir nach seinem Wort, in seiner Gegenwart und aus seiner Kraft heraus leben, lernen wir von den alttestamentlichen Menschen, all' unsere Hoffnung und Sehnsucht wieder auf Gott hin auszurichten.
      Wir leben in einer Zeit, in der so viele Menschen leben die glauben, dass es die Geburt Gottes, dass es Jesus nicht gegeben hat. In ihres Gottesferne müssen sie Gott erst wieder finden, so wie die drei Weisen aus dem Morgenland. So, wie ihnen der Stern geleuchtet hat, leuchtet die Adventszeit den Gottlosen. Es liegt in ihrer eigenen Entscheidung, ob sie sich auf den Weg, auf die Suche, machen.
      Jesus ist nicht nur eine Person der Vergangenheit, er ist der Glaube, das Glück und die Gewissheit, dass Gott Gegenwart ist.
      Advent ist die Zeit, in der wir uns für die Gegenwart Gottes öffnen, indem wir uns auf die Suche nach ihm machen, die Gegenwart Gottes in unserem Leben und in dieser Welt neu zu sehen und neu zu erleben.

      Es singt der Kirchenchor.

      Lasst uns beten:
      Herr, segne diese Adventszeit, auf das wir uns in der rechten Weise auf das Weihnachtsfest vorbereiten;
      bestärke die Heilige Katholische Kirche, insbesondere aber die Familien, in dieser Zeit gemeinsam zu beten und sei gegenwärtig auch in der Gemeinschaft zu hause;
      lass die Völker und Nationen in Frieden zueinander finden, auf das die endzeitliche Verheißung von Frieden und Gerechtigkeit jetzt schon Wirklicgkeit wird;
      erfülle die Regierenden mit den Gaben des Geistes, dass sie in Weisheit die Völker immer nur zum Guten führen;
      stehe den Hilflosen bei und erwecke in den Gesellschaften die Einsicht in die Verantwortung für das Wohl der Armen und Entrechteten und
      schenke den Verstorbenen Vergebung aller Schuld, auf das im Jüngsten Gericht Deine Barmherzigkeit und im Himmel das ewige Leben und für immer Deine Liebe erfahren.
      Amen.

      Es ertönt die Orgel.

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Ist zum Gottesdienst am Ersten Advent erschienen und hat der Predigt des Erzbischofs zugehört.

      Amen.
      Dr. h.c. Helen Bont, KEL
      Unionskanzlerin
      Doctor honoris causa philosophiae politicarum der Montary University
      Trägerin des astorischen White House Ribbon
      Trägerin des Großen Ordenskreuzes des Ordens von den Heiligen drei Königen des Königreichs beider Archipele
      Mitglied des Unionsparlaments

      KOMMANDEUR der EHRENLEGION
      Mitglied und UNIONSVORSITZENDE der KONSERVATIV-DEMOKRATISCHEN UNION
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Liebe Gemeinde,
      in der Heiligen Schrift lesen wir: "Und geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.« Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das Heil. Der Landesfürst Herodes aber, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das er getan hatte, fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf Johannes ins Gefängnis."

      Es singt der Kirchenchor.

      Liebe Gemeinde,
      unser ganzes Leben ist im Grunde genommen eine Adventszeit. Denn wir sind unterwegs zu einem Ziel, hin zur eignentlichen Bestimmung des Menscheins, zur letzten Gottverbundenheit und Gottesschau. Das ganze Leben ist hingeordnet auf Gottesbegegnung, auf das Erfahren von Glück und Liebe.
      In jedem "Vater unser" beten wir, dass das Reich Gottes zu uns kommen. Aber nicht nur Gott, auh wir müssen die Initiative ergreifen; auch wir sollen beitragen zum Kommen Gottes und die Wege bereiten.
      Das Reich Gottes soll uns Wirklichkeit werden. Aber auch wenn es noch nicht in seiner ganzen Fülle real sein kann, so soll es doch heranreifen wie ein "Senfkorn", das aus der Erde emporwächst, dem Licht und dem Himmel entgegen.
      Durch die Liebe der Mutter erfährt das Kind, was es heißt, von Gott gelibt zu werden, in der Nächstenliebe erfüllen wir nicht nur eine Christenpflicht und durch die Heilige Katholische Kirche - durch ihr Handeln und die Gnade der Sakrament - soll die Nähe Gottes in dieser Welt schon spührbar sein. Im Anfang begriffen und sich offenbarend in verborgenen Zeichen.
      Das sehen wir besonders in der Eucharistie, die ja immer hingeordnet idt auf das Kommen und die Wiederkunft Christi, und die ja trotzdem immer schon in der Gegenwart des Auferstandenen gefeiert wird: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit." Und an anderer Stelle heißt es: "Komm uns zu Hilf mit Deinem Erbarmen..., damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Herr Jesus Christus erwarten." Und trotzdem: der Herr ist schon gegenwärtig in seiner Gemeinde, wenn wir "in seinem Namen" versammelt sind. Er ist anwesend in den verschiedenen Zeichen und den eucharistischen Gaben, in der Gestalt von Brot und Wein.
      Das Kommen Gottes in verborgenen Zeichen können wir auf alle Sakramente beziehen: In der Taufe kommt Gott zu uns und tritt ein in dsas menschliche Leben. Wir werden von der Erbsünde befreit, dass heißt, dem Unheil der Sünde enthoben, hineingestellt in eine neue Wirklichkeit, auf den Weg der Erlösung gestellt und mit der Würde der Gotteskinder versehen. Wir dürfen jetzt schon teilhaben an der Erlösung des Herrn und in der Gewissheit leben, dass Gott uns ewiges Leben schenkt, ohne aber bereits das Ziel dieses Lebens erreicht zu haben.
      Im Sakrament der Buße und der Beichte kommt Gott zu uns. Gerade hier wird dem Herrn der Weg bereitet, der Abgrund der Sünde wird aufgefüllt durch die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes. Das Bußsakrament versetzt uns neu in den Zustand der Gnade und lässt uns neu in der Gegenwart Gottes leben.
      Im Sakrament der Firmung wird die Taufgnade bestärkt. Die Krankensalbung schenkt dem Kranken das Bewustsein der Geborgenheit.
      In besonderer Weise trägt auch das Ehesakrament, die geheiligte Verbindung zwischen Mann und Frau, zum Kommen und zur Gegenwart Gottes bei. Das soll gerade in der Adventszeit bewusst und erlebbar werden, dass Gott in unseren Familien gegenwärtig ist: jedes Kind, das geboren wird, ist die frohe Kunde, dass Gott bei uns ist. Die Familie -auch der graue Alttag - ist durch das Ehesakrament geheiligt, eine ständige Gegenwart Gottes, eine sakramentale Wirklichkeit.
      Was für Ehe und Familie als "Hauskirche" gilt, das möge auch für die Gemeinde der Heiligen Kathoischen Kirche gelten: eine Gemeinschaft in der Gegenwart Gottes, ein Ort der Erfahrung eines liebenden und barmherzigen Gottes.

      Amen.

      Es ertönt die Orgel.

      Lasst uns beten:
      Herr Jesus Christus, entfache in Vorfreude in den Herzen der Kinder und mache auch die Erwachenen bereit für das kommende Fest.
      Schenke den Sündern Vergebung und lass und neu die Bedeutung von Buße erkennen als Erneuerung, die uns mit Freude erfüllt.
      Berufe junge Menschen zu einem geistigen Beruf, auf das es im Dienste der Heiligen Katholischen Kirche auch heute Boten gibt, die Jesus Christus und sein Evangelium in aller Welt verkünden.
      Gibt den Leidenden viel Kraft uzr Geduld und stärke ihr Vertrauen auf Deine Hilfe.
      Erfülle an unseren Verstorbenen die Verheißung, dass sie die Herrlchkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes, und schenke ihnen die Fülle der ewigen Freude.

      Amen.

      Es spielt das Kirchenorchester und es singt die Sopranistin des Kirchenchors.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:

      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Es singt der Kirchenchor.

      O Heiland, reiß die Himmel auf,
      Herab, herab, vom Himmel lauf !
      Reiß ab vom Himmel Tor uns Tür,
      Reiß ab, wo Schloß und Riegel für !

      O Erd', schlag aus, schlag aus, o Erd',
      Daß Berg und Tal grün alles werd'
      O Erd', herfür dies Blümlein bring,
      O Heiland, aus der Erden spring.

      Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
      Darauf sie all' ihr' Hoffnung stellt ?
      O komm, ach komm vom höchsten Saal,
      Komm tröst uns hie im Jammertal.

      O klare Sonn', du schöner Stern,
      Dich wollten wir anschauen gern.
      O Sonn', geh auf, ohn' deinen Schein
      In Finsternis wir alle sein.

      Hie leiden wir die größte Not,
      Vor Augen steht der ewig' Tod;
      Ach komm, führ uns mit starker Hand
      Vom Elend zu dem Vaterland.

      Da wollen wir all' danken dir,
      Unserm Erlöser, für und für.
      Da wollen wir all' loben dich
      Je allzeit immer und ewiglich.


      Liebe Gemeinde,
      wir hörten gerade das Lied "O Heiland reiss die Himmel auf". Dieses Lied gehört zum gemeinsam Liedschatz der gesamten Christenheit.

      Der Text mutet pessimistisch an: "Finsternis", "Jammertal", "größte Not", "ewig Tod". Das sind Ausdrücke, die nicht so recht in die Adventszeit passen wollen, in die Zeit der freudigen Erwartung. Und doch drückt dieser Text die Stimmung aus, die bei vielen Menschen vorherrscht: "O Heiland reiss die Himmel auf" ist der Schrei einer Hoffnung, die den Menschen in seinem "Elend", in seiner Befremdung und Entfremdung, in seiner Heimatlosigkeit und Unbehaustheit zunächst und grundlegend ernst nimmt. Das ist Trost, christlicher Trost für den Menschen, wenn wir uns die Worte Jesu vor Augen halten: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Gerade für uns Christen gibt es keinen sehnlicheren Wunsch, als dass der Heiland kommen möge. Doch, wie tragen wir unsere Bitte vor? Schreien wir singend"O Heiland, reiß die Himmel auf", oder ist unser Gesang eher verhalten, weil wir "von oben" nichts mehr oder nichts mehr erwarten? Dabei macht uns die Werbung in diesen Tagen doch glauben, wie wesentlich "Himmel" und "Weihnachten" sind.
      Wenden wir uns noch einmal dem Text zu: Der "ewige Tode" ist kein abstraktes etwas, was uns nicht berührt. Erst vor kurzem sah es im Gefolge der Cuello-Krise so aus, als ob wir einem nuklearen Inferno entgegensteuern. Es ist der Irrglaube, man könne Gewalt durch Gewalt beenden, es ist der Irrglaube an die Macht der Waffen, statt an die Wirkungsgewalt der guten Tat. Wenn in Cuello sich ein Mann, mit dem Vorwand, den wahren Glauben verbreiten zu wollen, zum Diktator aufschwingt, und die sogenannte Weltgemeinschaft sich aufrafft und mit Waffengewalt droht, dann droht ein Teufelskreis aus Gewalt und Gegenwalt. Wer aber das Schwert nimmt, der wird durch das Schwert umkommen. Und in unserer Zeit sind es eben nicht nur Schwerter, es sind grausame Waffen, die nicht zwischen den Kombattanten auf der einen und unveteililigten Zivilisten - Frauen, Kinder, Alte Kranke - unterscheiden, sondern wahllos nicht nur jeden töten, sondern die Menschheit und Gottes Schöpfung vernichten.
      Und so warten wir, dass einer den Himmel aufreißen, Erbarmen und Huld und Menschenfreundlichkeit auf uns und unser Land, vielleicht sogar die ganze Welt schüttet? Oder? Oder haben wir als "Göttersöhne" und "Göttertöchter" unser Leben so in die Hand genommen, dass wir nicht mehr fähig sind, es loszulassen, zu vertrauen, uns als bedürftig und hilflos zu erfahren?
      Wir Christen feiern den Advent als Zeit der Erwartung auf Gottes Kommen in Endgültigkeit und als Erinnerung an sein Kommen in der Zeit. "Und das Wort ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt." Menschen, die ihm begegneten gaben im den Ehrennamen "Heiland", "Salvator", weil in der Begegnung mit ihm Menschen erfahren haben, dass Heil und Heilung geschieht, dass Er, der Heiland, Partei ergriff für bedrohtes, beschädigtes, verwundetes und verwundbares Leben.
      Ohne Zweifel beschreibt der Text eine bedrohliche Welt. Eine Welt, die aus den Fugen geraten ist: Ordnungen, heilige Ordnungen gerieten ins Wanken, Unveränderliches schien sich zu wandeln, Halt zu finden auf einem schwankenden Kosmos tat not. Und so fasst der Text die drängende Frage ins Wort: "Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt"? Denn das war die Zusage des Glaubens, dass dieser Gott kein ferner Gott sei - "über den Wolken, muss der Himmel wohl grenzenlos sein" - nein, dieser Gott wird Mensch in die konkrete, endliche Welt hinein. Die Sehnsucht nach Hilfe, die die Menschen damals umtrieb, bleibt auch unsere Sehnsucht heute.
      "Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt"?, das fragen sich auch heute Menschen aller gesellschaftlichen Schichten. Die Antworten sind so vielfältig und einfältig wie die Menschen, die fragen. Da suchen Politiker nach Weltregierungen, während die Menschen sich in nationalsprachliche Zirkel als emotionale Heimat flüchten und ihr Heil oft in der Beschaulichkeit ihres Unionslandes suchen, statt ihre Aufmerksamkeit auf das ganze Haus zu richten. Da stellen sich Vorstände als "global player" dar, die das Schicksal der Menschheit in der Hand zu halten vorgeben, während ihre Hände sehr konkret in die "Schatztruhe" nationaler Regierungen langen. Da ruhen sich - wenn auch wenige - in der "Sozialen Hängematte" aus, weil ihnen "Verantwortliche" in Politik, Gewerkschaft und Wirtschaft vormachen, dass "man" Ansprüche und Rechte hat, während für die Pflichten daraus, die "Dummen" zuständig sind.
      "O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd". Da ist noch Schöpfungsglaube fassbar, der uns unfassbar scheint, weil uns der Glaube an den Schöpfergott abhanden gekommen ist zwischen Aufklärung und Technik. Denn der Machbarkeitswahn hat sich in unsere Herzen eingeschlichen, und wir beten diesen "Deus ex machina" an und huldigen ihm, weil er uns langes Leben zu verheißen scheint. Der christliche Gott bietet uns dagegen "nur" "Leben in Fülle" an.
      "O Heiland. reiß die Himmel auf - o Heiland, aus der Erden spring", das ist kein Widerspruch, das ist Ergänzung, das ist Vollkommenheit. Wer Gott im Himmel erkennen will, muss die Welt und ihre Menschen im Blick behalten.

      O klare Sonn', du schöner Stern,
      Dich wollten wir anschauen gern.
      O Sonn', geh auf, ohn' deinen Schein
      In Finsternis wir alle sein.

      Können wir diese Liebeslyrik heute noch nachempfinden? Denken Sie an das Lied "Morgenstern der finstern Nacht" oder an an das Lied "Wie schön leucht' uns der Morgenstern". Christus, der erwartete Heiland, als die Sonne, als Stern, als Morgenstern. Versuchen wir unseren Gefühlen zu trauen. Christus, die Sonne wärmt unser Leben, schenkt Wachstum und Gedeihen. Christus, der Stern und Morgenstern, schenkt Orientierung, Wegweisung. Dann können heute sehnsuchtsvoll singen: "O Heiland, reiß die Himmel auf" und an Ostern aus vollen Herzen und überschäumender Freude werden wir dann singen: "Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urstand fröhlich ist. Halleluja, Halleluja."

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Lasst uns beten:
      Herr, wir bitten Dich, dass wir neu lernen, auf die vielen Zeichen Deiner Liebe zu achten.
      Wir bitten Dich, dass wir den Reichtum wieder sehen lernen, der für uns in den vielen kleinen und großen Symbolen der Adventszeit verborgen ist.
      Gib, das der Kern des Festes durch all' die kleinen und großen Geheimnisse unseren Blick wieder für das Geheimnis Deiner Liebe öffnet.
      Amen.


      Lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:
      Der Herr beschütze dich und behüte dich,
      der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
      und sei dir gnädig,
      der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
      schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.

      Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:

      Amen

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche
    • Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde, wir lesen in der Heiligen Schrift:
      "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung1 war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war."

      Es singt der Tenor des Kirchenchors und es spielt das Kurchenorchester.

      Liebe Gemeinde,
      Gott ist Mensch geworden. In dieser Heiligen Nacht feiern wir seine Geburt: das Wort ist Fleisch geworden; Gott nimmt die Sünden dieser Welt von uns und befreit uns von dem Bösen.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Das Geburtstagsfest von Jesus feiern wir Christen so groß, weil er mehr war als ein gewöhnliches Kind. Schon der Erzengel Gabriel hat Maria verheißen, dass man dieses Kind "Sohn des Höchsten" nennen wird. Und wir Christen spüren in der Gegenwart jeden Tag auf's Neue, dass Gott nicht irgendwann mal in die Welt kam und ihr dann wieder den Rücken kehrte, sondern weiterlebt, auf wundersame Weise da ist, eine Kraft und schließlich auch einen Sinn für unser Leben bedeutet.
      Diese Erfahrung ist vielfach bezeugt, in der Heiligen Schrift niedergeschrieben und durch die Jahrhunderte von vielen Menschen im Leben nachvollzogen und angewendet worden.

      Es singt er Tenor des Kirchenchors und es spielt das Kirchenorchester.

      Der Christ denkt zu Weihnachten daran, daß etwas Neues, etwas Unerhörtes geschieht: Gott wendet sich in Christus den Menschen zu. Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest der Zuwendung zu unserer Welt. Das fängt für jeden von uns ganz persönlich an. In der Heiligen Schrift steht: "Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst, denn er ist wie du." Was ist gemeint? Wenn ich mir ins eigene Herz schaue und in das Herz des nächsten Mitmenschen, dann spüre ich: er hat, wie auch ich, seine eigenen Interessen und Schwächen, seine eigenen Hoffnungen und Ängste. Vielleicht wartet er auf ein gutes Zeichen von mir - so wie ich auf eines von ihm.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Und jeder von uns kennt gewiß einen Mitmenschen, der krank ist, der Schmerzen hat, der trauert. Wir wollen nicht vergessen, ihn während der Feiertage einmal einzuladen, ihn anzurufen, ihm zu schreiben. Vielleicht empfinden wir selbst Weihnachten gerade am stärksten, wenn wir uns ihm zuwenden.
      So wie überall auf der Welt, so gibt es auch bei uns Menschen, die es schwer haben, sich zu freuen, zum Beispiel weil sie arbeitslos oder gar obdachlos sind. Sind das wirklich alles nur Penner und arbeitsfaule Menschen? Auch die Heilige Familie war obdachlos, denn sie hatten keinen Raum in der Herberge.

      Es singen Solisten des Kirchenchors und es spielt das Kirchenorchester.

      Auch gilt es, teilen zu lernen - zu Hause und in der Welt. In vielen Ländern der Welt sorgen sich die Menschen nicht um Waffen oder das Errichten neuer Machtkonstellationen, sondern um das tägliche Brot, sorgen sich Menschen um ihre Verwandten und Freunde, die in den Gefängnissen grausamer Diktatoren darben und vor ihren Schergen auf der Flucht sind. Die Heilige Familie war eine von Ihnen, denn sie musste, um das Leben von Jesus zu retten, bei Nacht und Nebel fliehen.
      Ein jeder von uns kann zum Frieden beitragen, zum Beispiel, wenn wir dort helfen, wo Menschen hungern. Wir werden mit um so besserem Gewissen für unser tägliches Brot bitten, wenn wir lernen, es zu teilen.
      Die Regierungen der mächtigen Staaten dieser Welt tragen eine besondere Verantwortung für den Frieden: es ist ihre Aufgabe, den Weg heraus aus der Rüstung, Gewalt und Krieg zu suchen und zu finden. Die Menschen sehnen sich nach einem Frieden, der durch mehr gesichert wird als durch Waffen, nämlich durch praktische Zusammenarbeit, durch Freizügigkeit und durch gerechte Ordnungen.

      Es singt die Sopranistin des Kirchenchors und es spielt das Kirchenorchester.

      Gott ist Mensch geworden in Gestalt eines Kindes, dem schwächsten und schutzbedürtigstem Teil unserer Geselschaft. Gott ist nicht nur Mensch geworden, sondern auch Kind. Das heißt nicht, dass Weihnaxgten uns auffordert kindisch zu sein. Es erlaubt und ermutigt uns aber Kind zu sein - Kind eunes iebedem Vaters, der nicht iim Himmel weit fort ist, sondern der da ist in Form eines Kindes, das sich als Gottes Sohn erwiesen hat, und durch die Sendung des Heiligen Geistes in die Welt auch in uns bereits zur Welt gekommen ist.

      Amen.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
      Vater unser im Himmel,
      Geheiligt werde Dein Name.
      Dein Reich komme.
      Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
      Unser tägliches Brot gib uns heute.
      Und vergib uns unsere Schuld,
      wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn Dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

      Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.

      Gott lasse dich ein gesegnetes Weihnachtsfest erleben.
      Gott schenke dir die nötige Ruhe, damit du dich auf
      Weihnachten und die frohe Botschaft einlassen kannst.
      Gott nehme dir Sorgen und Angst und schenke dir
      neue Hoffnung.
      Gott bereite dir den Raum, den du brauchst und an
      dem du so sein kannst, wie du bist.
      Gott schenke dir die Fähigkeit zum Staunen
      über das Wunder der Geburt im Stall von Bethlehem.
      Gott mache heil, was du zerbrochen hast und führe
      dich zur Versöhnung.
      Gott gebe dir Entschlossenheit, Phantasie und Mut,
      damit du auch anderen Weihnachten bereiten kannst.
      Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht,
      wenn dunkle Tage kommen.
      beschreibt er mit seiner rechten Hand ein Kreuzzeichen.
      Gott segne dich und schenke dir seinen Frieden.
      Amen

      Es singt der Kirchenchor und es ertönt die Orgel.

      Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale.
      Kardinal Bernhard Leber
      Erzbischof von St. Luca und
      Metropolit der Demokratischen Union
      Mitglied im Kollegium der Kardinäle der heiligen und apostolischen Katholischen Kirche